Von Hyaluron über LASER-Therapie zu bioidentischen Hormonen: Interessantes zur Ästhetischen Medizin
- Nadia Roca

- 1. Feb.
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Aktualisiert: 6. Feb.
Aus Anlass meiner bereits schon 23jährigen Geschäftstätigkeit als selbständige Kosmetikerin gab mir Dr. med. Carsten Schindler (FMH Kiefer- und Gesichtschirurgie / Plastische Operationen) aus Bern ein Interview. Deshalb habe ich die Möglichkeit genutzt, einige wichtige Themen betreffend der Ästhetischen Medizin mit ihm zu besprechen.
Nadia Roca: Was versteht man unter einer medizinischen LASER-Anwendung?
Dr. Schindler: Die LASER-Anwendung ist in zahlreichen Disziplinen der Medizin ein fester Bestandteil in der Therapie geworden, so auch nicht mehr wegzudenken im Bereich der Ästhetik. Zu diesem Zweck kommt in der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgischen Praxis Dr. Schindler ein supergepulster bzw. auch ultragepulster CO2-LASER mit modernster Ausstattung (CF-Modus) zum Einsatz. Durch dieses Verfahren wird die thermische Schädigung des angrenzenden Gewebes vermindert, so dass dieser LASER nicht nur zum Schneiden, sondern auch zum Skin-Resurfacing angewendet werden kann. Besonders vorteilhaft ist somit die Anwendung in diversen ästhetischen Bereichen des Gesichtes zur Vermeidung von Narbe und aufwendigen Haut-Lappenplastiken.
Nadia Roca: Was bedeutet das im Einzelnen?
Dr. Schindler: Angewandt wird dieser LASER-Typ u.a. zur Entfernung von Muttermalen (Naevi) bzw. anderen gutartigen Tumoren, zur Narben- und Faltenkorrektur, sowie besonders heilend und schmerzlindert bei Herpes im Lippenbereich und bei Aphten.
Nadia Roca: Zur Beurteilung einer Hautveränderung kommt die sogenannte ABCD-Regel zur Anwendung. Was bedeutet diese und wie wird sie bei der LASER-Therapie berücksichtigt?
Dr. Schindler: Ja, das ist richtig. Zur Früherkennung von Hautkrebs kommt zur Selbstbeurteilung von Muttermalen die ABCDE-Regel zur Anwendung. Hierbei steht A für Asymmetrie (Unförmigkeit), B für Begrenzung (Unregelmässigkeit), C für Colour (Mehrfarbigkeit) und D für Durchmesser mehr als 5 mm. Hinzu kommt auch noch der Buchstabe E, der für Evolution (Veränderung bzw. Wachstum) steht. Verändert sich eines dieser Merkmale, bedarf es einer ärztlichen Abklärung. Bei Befundunklarheit ist auch unmittelbar vor dem Einsatz des CO2-LASERs eine Gewebeprobeentnahme (PE) möglich bzw. notwendig. Durch eine histographische Schnellschnittdiagnostik (SS) kann relativ zeitgleich eine Aussage getroffen werden.
Nadia Roca: Neben der LASER-Therapie kommt auch häufig Plasma in der Ästhetischen Medizin zum Einsatz. Was versteht man darunter?
Dr. Schindler: Die Plasmamedizin hat sich in den letzten 20 Jahren von einem innovativen Forschungsgebiet zu einer wichtigen Therapieoption, insbesondere in der Dermatologie entwickelt. Durch die Verwendung von kaltem Atmosphärendruckplasma (KAP) ist es möglich, die Behandlung von Geweben durchzuführen, ohne dies dabei zu beschädigen. Deshalb ist der Einsatz von medizinischem Kaltplasma nicht schmerzhaft. Die Komponenten des KAPs können eine Reihe unterschiedlicher biologischer Wirkungen entfalten, in denen sie zum Teil synergistisch auf das zu behandelnde Gewebe wirken. Somit können beispielsweise antimikrobielle stimulierende und durchblutungsfördernde Effekte mit einer einzigen Behandlung erreicht werden. Diese Wirkung ist vor allem von Nutzen bei Lifting von Narben- und Faltenbereichen, aber auch bei schlecht heilenden Wunden.
Nadia Roca: Wozu wird nun Plasma im Gesichtsbereich angewendet?
Dr. Schindler: Aktuell wird in der Ästhetischen Medizin Kaltplasma zur Hautglättung, Hautverjüngerung, vor allem im oberen und unteren Augenbereich, sowie zur Falten- und Narbenbehandlung angewendet. Sicherlich wird sich auch in der Schweiz das Zulassungsspektrum für die Plasmaanwendung mittelfristig erweitern.
Nadia Roca: Ein häufiges Thema in den sozialen Medien ist heutzutage die Spritzenbehandlung (Injektionstherapie), vor allem im Gesichtsbereich. Wie ist dazu ihre Meinung?
Dr. Schindler: Mimische Falten entstehen durch die Kontraktion der darunter liegenden Muskulatur. Mit dem Nachlassen der Elastizität der Haut treten diese Falten im Alter noch deutlicher hervor. Dennoch sollte man nach Möglichkeit den Prozess des Elastizitätsverlustes und damit der Faltenbildung doch schon frühzeitiger als bisher angenommen beeinflussen. Hierbei geht es in der modernen Ästhetischen Medizin jedoch nicht darum, die Faltenbildung komplett zu unterbinden. Denn von niemandem wird ein unnatürliches mimikloses Aussehen gewünscht. In diesem Zusammenhang muss auch der Begriff "Baby-Botox" genannt werden.
Heutzutage geht es vor allem bei der Botulinumtoxin-Injektion darum, die statischen Falten und weniger die dynamischen Falten zu reduzieren.
Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass nur mimische Falten sich wirkungsvoll durch Botox behandeln lassen. Demgegenüber müssen elastotische Falten mit Plasma oder LASER behandelt werden. Deshalb ist die Anwendung von Botox im Wangenbereich ungeeignet. Dort ist ebenso recht gut der Einsatz von Hyaluron-Fillern möglich. Immer mehr in Mode kommen auch in diesem Bereich die innovativen hochkonzentrierten Hyaluron-Biostimulatoren, die als Nebeneffekt zu einer Hautverjüngung führen und die negative Ablagerung im Unterhautgewebe der klassischen Hyaluron-Filler vermeiden.
Nadia Roca: Herr Dr. Schindler, wir haben jetzt viel gehört über die Filler-Behandlung, sowie über Plasma- und LASER-Therapie. Die Entscheidung für oder gegen eine ästhetische Behandlung fällt niemandem leicht. Deshalb geht es wohl in einem Aufklärungsgespräch um eine individuelle Beratung, um die bestmöglichen Entscheidungshilfen geben zu können. Was empfehlen Sie beispielsweise einer Kundin im Alter von 50 - 60 Jahren?
Dr. Schindler: Wie schon richtig festgestellt wurde, geht es zu allererst um eine individuelle Beratung. Nur wer mit sich und mit seinem Erscheinungsbild zufrieden ist, strahlt Selbstbewusstsein, Charisma und ein positives Lebensgefühl aus. Deshalb geht es auf keinen Fall darum, einen Kunden zu einer "speziellen Behandlung" zu überreden. Dennoch zeigt sich in keinem anderen Teil des menschlichen Organismus der Alterungsprozess so deutlich, wie im Bereich des Gesichtes und des Dekolleté. So sind Synergien häufig. Und jetzt zurück zur eigentlichen Frage, Empfehlung für eine Kundin Mitte 50:
(1.) Reduzierung der Zornesfalte (Glabella), Stirnfalten und Krähenfüsse mit Botulinumtoxin (VISTABEL in 3 Zonen)
(2.) Aufbau und Glättung Wangenbereiche beidseits mit einem Hyaluron-Biostimulator (PROFHILO 5 Punkte pro Gesichtshälfte)
(3.) Reduktion der Augenringe und Glättung oberer Wangenbereich mit Kaltplasma (2 Sitzungen im Abstand von 4 bis 6 Wochen)
Parallel geht es meistens auch darum, störende Narben, Muttermale, Pigmentflecken oder andere Hautveränderungen aus den ästhetisch auffallenden Bereichen mit dem LASER zu entfernen.
Nadia Roca: Ja, bleiben wir weiter bei der Kundin Mitte 50 und dem Alterungsprozess. Diese damit verbundenen Beschwerden haben wohl viel mit den hormonellen Umstellungen mit und nach den Wechseljahren zu tun, nicht nur die Haut betreffend. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass fast sämtliche medizinischen Fachgebiete betroffen sein können: Gelenkschmerzen, Frozen Shoulder, Rückenschmerzen, Gewichtszunahme, Durchschlafstörungen, Haarausfall, Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen u.a. Aktuell erfährt man in den Medien viel über bioidentische Hormone, ohne dass eine richtige Einordnung erfolgt. Was sollte man darüber Wissen?
Dr. Schindler: Tatsächlich wird viel in der Öffentlichkeit zurzeit über Hormone diskutiert und geschrieben. Bücher wie "Woman on Fire", "Die neue Menopause" und "Die Hormonrevolution" sind inzwischen Bestseller geworden. Erstaunlich ist diese Entwicklung schon, da die Hormone bereits Anfangs des letzten Jahrhunderts entdeckt wurden. Beispielsweise wurde Adrenalin schon 1901 isoliert und seine Struktur bestimmt, Insulin auch schon 1921. Die für Wechseljahrbeschwerden wichtigen Geschlechtshormone Östrogen, Testosteron und Progesteron wurden auch schon in 1920iger Jahren identifiziert und chemisch charktersiert. In Lehre und Forschung wurden den Hormonen immer nur bestimmte Eigenschaften zugeschrieben. Eine komplexe Zuordnung und Verknüpfung mit den sehr unterschiedlichen Symptomen, vor allem beim Alterungsprozess misslang komplett, da keine erfolgreiche Therapie möglich war. Im Gegenteil war die Hormontherapie eher gefährlich als hilfreich, beispielsweise durch die Entstehung von Brustkrebs.
Nadia Roca: Was macht denn nun eine modere Hormontherapie beispielsweise gegen den Alterungsprozess so anders zu früher?
Dr. Schindler: Die Anwendung der modernen bioidentischen Hormone hat sich in letzter Zeit deutlich vereinfacht durch die transdermale (über die Haut) Resorption beispielsweise von Östrogen oder mikronisiertes Progesteron oral. Dadurch ist die Dosierbarkeit und Bioverfügbarkeit einfacher geworden. Eine Hormonspiegelbestimmung über Blut oder Speichel, sowie die richtige Beurteilung hormoneller Beschwerden lassen eine Therapie heutzutage erfolgreich verlaufen. Dennoch sehe ich leider noch sehr häufig Unverständnis ärztlicher Kollegen gegenüber einer gezielten Hormontherapie, vor allem bei "Off-Label-Use" beispielsweise wegen Gelenkschmerzen. Auf der anderen Seite sind die Wartezeiten für einenTermin in einer speziellen Hormonsprechstunde astronomisch lang.
Nadia Roca: Oh ja, das habe ich auch schon gehört. Die moderne Hormontherapie scheint ein unendliches Thema zu sein. Ich habe da noch so viele Fragen. Herr Dr. Schindler, vielleicht haben sie nochmals Zeit darüber mit mir zu sprechen.
Dr. Schindler: Ja, sehr gern.
Nadia Roca: Vielen Dank für das Interview und Auf Wiedersehen!


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